Kabarettist Christian Springer begeisterte in der Paul-Metz-Halle

Wichtigtuer, Gschaftlhuber und Mimosen

„Alle machen, keiner tut was“ – mit seinem aktuellen Bühnenprogramm gastierte Christian Springer, Münchner Kabarettist und Gastgeber der BR-Sendung „Schlachthof“, in der Paul-Metz-Halle.

Von seiner Paraderolle „Fonsi“, als Kassenwart von Schloss Neuschwanstein, hat sich Springer schon vor einigen Jahren verabschiedet. Authentisch spielt er jetzt sich selbst und zählt inzwischen zu den engagiertesten Kabarettgrößen unserer Zeit.  Er kämpft mit Leidenschaft für mehr Gerechtigkeit. Wichtigtuer und Großmäuler sind im stets ein Ärgernis. Er fordert mehr Rückhalt in der Politik, mehr Solidarität in der Gesellschaft und vor allem mehr Menschlichkeit in der Welt. Er redet sich dabei in Rage, wenn er zum Beispiel schildert, wie das war, als Gesundheitsminister Jens Spahn die Hartz-IV-Empfängerin mit sechs Stückerl Obstkuchen besuchte. Sein Appell an das Publikum, „doch bittschön bei der nächsten Wahl solche Politiker ohne Empathie und Herzensbildung nicht soweit rauf kommen zu lassen“, wurde mit ausgiebigen Beifall quittiert.

 

Weiterhin verpackte Springer die tiefe Wahrheit unseres täglichen Alltags mit feiner Ironie und satirisch aufbereitet. Wenn man Menschen fragt, was die wichtigsten Werte sind, sollten Toleranz, Respekt und Mitgefühl die logischen Antworten sein. Aber was bekommt er auf seine Frage zur Antwort: Blutdruck, Cholesterin und Feinstaub. Wie man letzteren am besten umgeht, dafür hatte er gleich die passende Lösung parat: „Aus dem Haus rausgehen und bis zum Auto die Nase zuhalten, dann schnell einsteigen und losfahren, weil im Auto geht’s. Die Klimaanlage darf man halt nicht anmachen.“

 

Springer weicht keinem Thema aus und berichtet auch von seinem eigenen Engagement im Libanon und in Syrien. Mit dem von ihm gegründeten Verein „Orienthelfer“ reist er regelmäßig in die Krisengebiete des Nahen Ostens und leistet humanitäre Hilfe. Zum Schluss seines zweistündigen Programms, motiviert er das Publikum, sich dagegen zu wehren, wenn eine kriminelle Vereinigung wie die Hells Angels in aller Öffentlichkeit ihr 70. Jubiläum feiern oder dem Dresdner Knabenchor vor der Einreise nach China das Volkslied „Die Gedanken sind frei“ aus dem Repertoire gestrichen werde. „Wir werden alle keine Helden mehr, aber haben Sie doch den Mut einer Mimose“. Die lerne nämlich, sich nicht immer nur zusammenzuziehen und wegzuducken, „sondern in gewissen Momenten einfach mal aufrecht stehen zu bleiben.

 

Fotos (Werner Schieche) des Kabarettabends mit Christian Springer finden Sie hier.

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